25. April 2025
Regen auf der Nordseite, Sonne auf der Südseite, wir reisen nach Avegno. Der Himmel ist stahlblau, die Wälder in herrlichstem Frühlingsgrün, es scheinen perfekte Bedingungen zu herrschen. Aber: der eine Tag Sonne hat nicht gereicht, unsere Wand, Avegno-Scaladri, wirkt noch ziemlich nass. Ist es trotzdem möglich die geplante Route «Fantasia» (6b+, 5c obl.) zu klettern? Der Start sieht ok aus, wir steigen ein. Es folgt eine starke rechts Traverse, immer wieder überquere ich Wasserstreifen. Es fühlt sich an wie eine Klettertechnikübung: Klettere die Route, aber nicht alle Griff und Tritte stehen dir zur Verfügung. Wir bleiben optimistisch und klettern weiter. Die zweite Seillänge ist die Schlüssellänge. Es muss fein hingestanden werden, Balance ist gefragt und Vertrauen in die Füsse. Wer will kann auch gut «bschisse», es ist eng gebohrt. In Erinnerung bleibt sicher die 4. Seillänge. Diese ist «pflotschnass», d.h. nicht die steilen Stellen sind die Herausforderung, sondern eine relativ flache Stelle mit einer Algenschicht überzogen. Danach wird es immer trockner und wir geniessen den fantastisch rauhen Gneiss. Die Kletterei ist definitiv fusslastig, wird aber immer wieder unterbrochen durch kleine Steilstufen, Risse und Henkelstellen. Die Maggia fliesst für einmal mit viel Wasser tief unter uns. Der Blick wird immer weiter auf das hübsche Dörfchen Avegno, die Industriezone gleich unter uns, sowie die Schneeberge am Horizont. Für die 10 Seillängen brauchen wir ca. 4.5 Stunden. Am Top gönnen wir unseren Füssen eine Pause, stärken uns und sind ein bisschen stolz, dass wir trotz erschwerten Bedingungen die Route klettern konnten! Der Abstieg ist super eingerichtet mit Ketten. Bald stehen wir auf dem breiten Wanderweg und weiter geht es abwärts durch das explodierende Grün. Die Eidechsen wuseln um uns herum, die Wärme nimmt zu. In Avegno bestaunen wir die durchkletterte Wand. Diese ist in der Zwischenzeit getrocknet. Wir stossen auf den Klettertag an: Gratulation zum «Auch-nasser-Fels-ist-kletterbar»-Diplom und danke für den lässigen Tag!
Diese Wand werden wir durchklettern (Foto ist nach der MSL entstanden).
Wir starten auf dem Band und lassen den «Sitzstart» weg. Die Route «Fantasia» ist angeschrieben.
Zu Beginn traversiert die Route stark nach rechts.
Die superfeine zweite SL (6b+) haben wir schon hinter uns. Hier die 3. SL (4c), die einfachste SL der Route.

Die 4. SL (5c) war ein bisschen «grusig», ansonsten konnten die nassen Stellen gut ausgelassen werden.

Lässige und abwechslungsreiche Kletterei in der 7. SL (5c+). Hier eine kurze und griffige Steilstufe.

Der Fels bietet unzählige kleine Dellen. Diese 7. SL (5c+) beginnt mit steiler griffiger Kletterei an einer Schuppe und endet mit technischer Plattenkletterei.
Dies freut besonders mich, spannende Rissstelle in der 9. SL (6a+).

Die letzten Klettermeter der Route «Fantasia», technische Wandkletterei in der 10. SL (6a).

Top am Boulderblock und unsere Zmittagsstelle.

Schöner Abstieg in der Tessiner Wildniss und dem explodierenden Frühling.




