31. Juli 2023

Früh gehts los, schon um 7 Uhr steigen wir die blumenreichen Wiesen oberhalb der Wendenalp empor. Unser Ziel ist der Pfaffenhut, eine mächtige Wand neben dem bekannten Excalibur-Pfeiler. Der Zustieg wird gegen oben immer steiler und die Aussicht immer besser. Die Berner Klassiker kommen in Sichtweite und der Einstieg der Route «Voie du frère» ist endlich gefunden. Die erste Seillänge gilt als psychisch anspruchsvoll. Zum Glück habe ich meinen Joker Laddy mit dabei, der steigt solches gerne vor. Ich starte mit Klettern, die fast 50 m Wasserrillen-Kletterei ist anspruchsvoll, anstrengend und mega psycho abgesichert. Stützen, stossen, Füsse schmerzhaft verklemmen, eine eindrückliche Länge! Zum Glück können wir uns in der zweiten Seillänge erholen, denn schon bald wird es wieder streng. In der folgenden sehr steilen 6c Länge pumpen sich meine Unterarme völlig zu, immerhin sind die Hakenabstände deutlich näher als zu Beginn. Es bleibt steil: die vierte Seillänge (6c) führt über einige Dächlein und endet mit einer packenden Seitgriff-Parade. Der Tiefblick ist eindrücklich, da ist gefühlt unendlich viel Luft unter der Sohle! Es wechselt der Kletterstil, die 5. SL bietet technische Wandkletterei vom Feinsten, Traumfels ist angesagt. Die Hakenabstände sind in den «flachen» Seillängen sehr weit, da braucht es eine Menge Psyche (oder einen Laddy :-)). Der Start der 6. SL ist sehr knifflig, es folgt ein steiles, schweres Dächlein, bevor es an unendlich vielen Auflegern und Klemmgriffen nach oben geht. Unsere letzte Länge ist zwar «nur» 6a+, doch sehr anspruchsvoll. Auf den 50m hat es maximal 5 Bohrhaken und kaum einen positiven Griff. Nur dank der Rauheit des Fels und den vielen «Pumps» ist es kletterbar. Ich bin ziemlich platt am Top, doch die Aussicht ist der Hit: Lauteraar- und Schreckhorn rechts und vis-a-vis das Sustenhorn. Wir seilen spektakulär ab. Ich staune, dass man da überhaupt hoch kommt. Zurück am Einstieg stärken wir uns, bevor wir uns an den anspruchsvollen Abstieg wagen. Während Laddy den Schmetterlingen hinterher jagt, erfreue ich mich an den Murmeli und die Aussicht auf den baldigen Apéro! Vielen Dank für den tollen Lead!

Im steilen Zustieg, vor Augen Rosenhorn, Mittelhorn und Wetterhorn.

Die linke Wand ist der Pfaffenhut, unsere Route führt ca. in der Mitte empor. Rechts der Excalibur-Pfeiler.

Laddy klettert die erste Seillänge. Anspruchsvolle Wasserrillen-Kletterei und erst noch psycho abgesichert.

Sehr cool zu klettern: die erste Seillänge der Route «Voie du frère».

Die 3. Seillänge: 6c, mega steil, mir persönlich hat diese Länge am wenigsten gut gefallen.

Technisch und aufgrund der Hakenabstände mental sehr anspruchsvolle Länge (5. SL, 6b).

Blick auf die letzte Seillänge, mit super schönem rauhen Fels. Ein weiteres Mal anspruchsvoll, psychisch und technisch.

Beim Abseilen über die 6. Seillänge, eine steile 6c (diese sind alle gut abgesichert), von ersten bis zum letzten Meter spannend zu klettern.

Während ich müde absteige, fängt Laddy noch ein paar Schmetterlinge und bestimmt diese. Im Hintergrund die Titlis-Südwand.

Der Zustieg zu den Wendenstöcken ist ein Schmetterlings-Paradies, hier ein Weissdolch-Bläuling.