29. August 2024
Sommerzeit ist Bocklizeit, deshalb sind wir an diesem heissen Tag im Aufstieg zum Bockmattli. Für einmal besuchen wir eine mir unbekannte Ecke des Bockli-Massivs: die Ostkante des Grossen Turms. Der Zustieg ist angenehm, nur kurz geht es nach dem Verlassen des Wanderwegs steil über eine Wiese empor und schon stehen wir am Einstieg. Die Facts: Zwölf Seillängen, mehrheitlich 50m lang bis zu 5c+ im alpinen Charakter. Ich bin gespannt, was uns da erwartet! Die ersten vier Seillängen sind deftig: oft feucht, «dreckiger» Fels, grasdurchsetzt und sehr steil. Zusätzlich sehr weite Hakenabstände und legen ist auch nicht einfach. Zum Glück haben wir unseren Vorsteiger für unangenehme Verhältnisse mit dabei: Laddy steigt souverän vor, super gemacht! Die Kletterei ist im Fels sehr griffig, bei den Botanikstellen sehr anspruchsvoll. Der Grad muss definitv beherrscht werden. Mit der fünften Seillänge queren wir den imposanten Ostkessel und nähern uns der Nordwand. Es folgen drei Kamin/Verschneidungsseillängen, davon die letzten zwei sehr exponiert an der Nordwand. Die Kletterei gefällt mir deutlich besser, ist der Fels nun trocken und frei von Botanik. Langsam legt sich die Ostkante zurück. Mit den letzten vier Seillängen nimmt die Schwierigkeit ab und das Gratfeeling zu. Endlich auf dem Gipfel, was für eine Tour! Hut ab vor den Erstbegeher und dem Sanierer Stefan Indra. Der Übergang zur Bockli-Wiese ist abwechslungsreich und fordert Konzentration, mehrmaliges Abseilen, Gratkletterei auf- und abwärts, sowie eine knackige Schlusseillänge bringen wir hinter uns. Nun folgt der Abstieg zum Kletterhüttli und Laddys Highlight des Tages: er entdeckt ein seltenes Bergkronwickenwidderchen. Während wir anderen zwei wohl die Kletterei als Highlight mit nach Hause nehmen!! Vielen Dank für diesen strengen und lässigen Tag!
Im Zustieg zur Ostkante des Grossen Turms. Links die eindrückliche Nordwand des Ostturms, rechts der Grosse Turm und dazwischen unser Einstieg.
Die ersten Meter der Kletterei. Diese Länge ist oft feucht (bei uns jedenfalls) und der Fels «dreckig». Ansonsten griffige Kletterei.
Idealerweise ist man nicht nur ein sicherer Kletterer im Fels für diese Route, sondern auch im Steilgras…

Die dritte Seillänge ist eine der Schwersten (5c) und Steilsten. Der Zick-Zack-Verlauf der 50m Seillänge ist ein Garant für mächtigen Seilzug für den Vorsteiger.

Die eindrückliche ausgewaschene Rinne treffen wir in der fünften Seillänge an.

Der Tiefblick in den Seillängen 7 und 8 ist gewaltig, wir touchieren die Nordwand des Grossen Turms.
Anspruchsvolle und steile Stemmkletterei in der Mitte der Route. Und endlich trockenen und sauberen Fels!

Zum Schluss schöne und einfachere Gratkletterei und Aussicht ins Schwändital.

Auf dem Gipfel des Grossen Turm, zu diesem Kreuz gibt es keinen einfachen Weg!

Im Übergang vom Grossen Turm zur Bockmattliwiese, ein ständiges auf- und abwärts Kraxeln.

Im Abstieg entdeckt Laddy ein seltenes Bergkronwickenwidderchen. Gut erkennbar an den Goldrändern rund um die roten Flecken.



