15.-18. August 2025

Der Rucksack ist schwer, die nächsten vier Tage verbringen wir am Fusse des Zervreilahorns. D.h. nicht nur das Klettermaterial ist im Gepäck, sondern auch Schlafsack, Mätteli, Essen und Kocher. Die Aussicht entschädigt für die Schlepperei. Königshaft erhebt sich im Hintergrund das Zervreilahorn und tief unter uns liegt der blaue Stausee. Wir deponieren unser Material und holen Wasser beim nahen Bach. Am späteren Nachmittag steigen wir ein erstes Mal zu der mächtigen Felsbastion auf. Es reicht für eine kurze Kletterei im Klettergarten. Was für schöner Fels! Samstag: Die Sonne weckt uns und schon bald sind «Stand»-Rufe vom Zervreilahorn zu hören. Die Seilschaften verteilen sich ideal über die Wand: unsere Route «Medea» (9SL, 6c) ist noch frei. Die ersten drei Seillängen fordern (6b, 6b+, 6c) physisch und psychisch. Die Route ist sehr gut eingebohrt, aber man muss dranbleiben, insbesonders in der zweiten SL mit einer anhaltenden Rissverschneidung. Es wird einfacher, doch in der 5. SL werden wir von Tropfen überascht. Wir seilen zügig ab, das Gewitter kommt früher und rasch. Den Nachmittag verbringen wir mit trocknen und herumliegen. Am Sonntag klettern wir den Nordostgrat mit dem «Neuen Direkteinstieg». Die ersten beiden SL (6a, 6a) bieten fantastische Riss-, Platten- und Kaminkletterei. Danach wird es deutlich «alpiner» mit gelegentlichen kurzen Steilaufschwüngen. Die letzte Seillänge (5c+) ist ein typischer Granithammer: sehr steile Kaminkletterei erfordert kreatives Bewegen. Wir seilen gäbig über die SE-Wand ab und erholen uns am Nachmittag von den Anstrengungen. Und schon ist der letzte Tag da. Wir steigen in die anspruchsvolle «Maverik» ein (9SL, 7a, 6c obl.). Hier hat es minimal Bohrhaken, d.h. überal wo es Risse hat, gilt es selber zu Legen. Sehr cool eingebohrt! Ich freue mich natürlich über alle Rissstellen und geniesse die Verschneidungen. Bei der Schlüsselstelle muss ich «aufgeben», diesen Boulder kann ich einfach nicht! Auch die Plattenstellen fordern uns ziemlich, ich gebe alles und Laddy im Vorstieg brilliert, bravo! Am Top sind wir definitiv beide müde. Wir seilen über die Route ab, kehren zurück zu unserem Biwakplatz und beginnen mit dem Abstieg. Ein letzter Blick zurück: ich komme sicher wieder, dieses Zervreilahorn bietet unglaublich viele schöne Routen. Danke an meine SeilpartnerIn, ich habe es sehr genossen!

Da ist es: das Zervreilahorn im Hintergrund, davor der Zervreila-Stausee.

Über den und seine Kollegen stolpern wir immer wieder: Frösche rund ums Zervreilahorn.

Mein erster Fels-Blick-Kontakt ist dieser fantastische Riss. Wir klettern die 1. SL des «Neuen Direkteinstieg» vom NO-Grat gleich am ersten Tag.

Unterwegs in der 2. SL in der Route «Medea», 6b+, eine anhaltende Verschneidung.

Die dritte SL der «Medea» ist die Schlüsselstelle, 6c, Wandkletterei mit feinsten Leisten (mit einem physischen Piaz-Start).

Das Gewitter kommt früher, wir werden nass. Am Nachmittag bleibt Zeit alles wieder zu trocknen.

Mystisches Zervreilahorn, zum Glück ist die Sonne bald wieder da.

Anspruchsvolle Risskletterei von Finger, zu Hand, zu Offwidth in der zweiten SL des «Neuen Direkteinstieg» am NO-Grat.

Im mittleren Teil des NO-Grats ist Routenfindung gefragt, es herrscht deutlich «alpineres» Ambiente.

Zum Dessert gibt es nochmals eine steile Seillänge am NO-Grat. Weit unten der Zervreila-Stausee.

Laddy in der Schlüsselseillänge (7a, 6c 1p.a.) der Route «Maverik». Diese beginnt plattig und endet mit einem mir rätselhaften Boulder.

Spannende Kaminkletterei mit einem Verschneidungs- und Riss-Finish in der 4. SL (6b) der Route «Maverik».