25. Oktober 2025
Das Wetter ist eindeutig: schön ist es nur im Tessin und je südlicher desto wärmer. Wir haben Lust auf eine Mehrseillänge und stehen deshalb um 10 Uhr am Fusse des Monte Garzo im Valle Maggia. Hier gibt es doch eine Route die Laddy noch nicht geklettert hat: «Chiappe al vento», beschrieben mit «interessante Kletterei», 11SL, 6c+ (6b obl.). Speziell an dieser Route ist, dass sie direkt durch das grosse Dach führt mit einer Techno-Länge. So haben wir neben der klassischen MSL-Ausrüstung auch Leiterli und Aiders mit dabei. Die erste Seillänge hat es in sich. Wenig Reibung, evt. bisschen feucht, und feinste Plattenkletterei im Grade 6a mit doch ordentlichen Abständen. Spätestens nach dieser Länge sind wir hellwach! In den nächsten 4 Seillängen gewöhnen wir uns an den Monte Garzo Reibungs-Stil und stehen immer entspannter auf den winzigen Tritten. Wir sind unter dem grossen Dach angelangt. Mich schüchtert dieses ein und ich schicke Laddy vor. Er flucht doch ziemlich während er sich von Haken zu Haken angelt. Sind wir doch beide schon lange nicht mehr Technisch geklettert und haben ein Puff mit den Leiterli und Aiders. Jetzt bin ich dran, der Puls ist hoch, ich konzentriere mich auf die Atmung und arbeite mich mit viel Nervenkitzel durch das grosse Dach, mega eindrücklich! Wir wechseln wieder auf freies Klettern. Ab jetzt ist die Wand deutlich steiler und die Grade immer im 6b bis 6c+ Bereich. Die ersten zwei Seillängen sind lässig zu klettern. Am Ende von diesen erwartet uns eine Brombeerhecke am Stand, definitiv die Schlüsselstelle! In der nächsten Seillänge wird sehr deutlich: diese Route wird sehr selten geklettert. Der Fels ist sehr moosig und ich putze mir immer mal wieder einen Griff sauber. Auch ist uns nicht klar, ob wir ein Stand verpasst haben, da die Einbohrung teilweise verwirrend ist. Nach unserer 10. Seillänge sind wir vermutlich am Fusse der letzten Seillänge. Diese wird nach Topo wieder Technisch geklettert. Wir beschliessen hier abzuseilen. Eine mühsame Aktion, denn Aufgrund des stehenden Rings, sowie dem liegenden Maillon ist der Zug auf das Seil beim Abziehen riesig. Wir mühen uns ab und sind froh, als wir wieder bei unserem Depot angelangt sind. Heute haben wir alles erlebt: grandiose Klettermeter, Technische Kletterei, grausliches alpines Moos-Klettern, von Platten zu Steilwand, jetzt sind wir platt! Danke Laddy für den unvergesslichen Tag!
Klassische Platten-Start Kletterei am Monte Garzo. Wir gewöhnen uns nach und nach an die Reibungskletterei.
Der Verlauf der Route: Plattenkletterei, riesiges Dach (versteckt in dem Grünzeugs) und steile Wandkletterei. Laddy unterwegs in der 3. Seillänge, 6a.
Die 5. SL führt uns unter das riesige Dach des Monte Garzo.

Diese Seillänge klettern wir «technisch», d.h. mit Leiterli und Aiders von Bohrhaken zu Bohrhaken.
Laddy hat den grossen Teil des Daches «getecht». Da man am Anfang freihängend ist, ist dieser am schwersten.

Letztes Bild bevor Laddy um die Dachkante verschwindet! Was für eine eindrückliche Seillänge!

Nach dem Dach folgt eine kurze, aber sehr ausgesetzte und knackige 6c-Seillänge.
Blick zum Lago Maggiore, wir sind schon bald am Top der Route.

Unsere letzte Seillänge, vermutlich die 6c+. Die schwere Stelle ist ein Boulderproblem von wenigen Zügen. Weit unten die Maggia.

Wir vermuten, dass diese letzten Meter die zweite «Technische Seillänge» ist. Wir kehren hier um, da die Kletterei je höher umso mossiger geworden ist.

Das Abseilen über die Route ist im oberen Teil mühsam, aufgrund der Ringe in den Ständen. Ab dem Dach (ersichtlich auf dem Foto) wird es gäbiger.




